Katharina Horn: Schülerinnen und Schüler beteiligen

Katharina HornEin Portrait von Britta Erlemann

Dass Schülerinnen und Schüler am Konzept für ihre Ganztagsschule beteiligt sind, ist Katharina Horn, Partizipationsbeauftragte der Serviceagentur „Ganztägig lernen“ Hessen, besonders wichtig. Gründe: Sie geht aktuell (Mai 2009) noch selbst zur Schule und hat bereits eine beeindruckende Karriere in verschiedenen Schülervertretungsämtern hinter sich. Besonders in Erinnerung ist ihr ein Satz einer Grundschülerin auf dem Ganztagsschulkongress der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung: „Wenn Ihr uns mal mitentscheiden lassen würdet, was für AGs wir nachmittags haben, dann würden wir auch daran teilnehmen.“ Daran sehe man, so die Landesschülervertreterin Horn, wie wichtig Schülerbeteiligung für die Gestaltung der Ganztagsschule sei. „Ohne funktioniert das ganze Konzept nicht“, sagt sie.

Die junge Frau, die zum Zeitpunkt des Interviews gerade ihr Abi hinter sich gebracht hat, unterstützt Schülerinnen und Schüler dabei, ihre Schule mit zu gestalten: Als Mitarbeiterin der Serviceagentur beantwortet sie Schülerfragen zur Ganztagsschule und arbeitet zusammen mit außerschulischen Kooperationspartnern, die Schülerbeteiligung unterstützen. Außerdem organisiert sie Veranstaltungen für Schülerinnen und Schüler und koordiniert das SV(Schülervertretungs)-Beraterteam des Bildungswerks für Schülervertretungsarbeit in Deutschland e.V. (SV-Bildungswerk) in Hessen.

Fünfzehn junge Menschen wurden von Katharina Horn und dem SV-Bildungswerk ausgebildet, ihre Mitschülerinnen und Mitschüler auf Grundlage des Peer-to-Peer-Prinzips in Beteiligungsprozessen zu unterstützen. Als Regionalkoordinatorin ist sie Ansprechpartnerin für all jene, die ein SV-Beraterseminar an ihre Schulen holen möchten. „Bei uns melden sich sowohl Lehrkräfte als auch Schülerinnen und Schüler direkt“ (Horn) – und das nicht zu knapp: Meist gebe es mehr Anfragen, als die SV-Beraterinnen und SV-Berater bedienen können. Schließlich seien diese ja selbst in erster Linie noch Schülerinnen und Schüler. Wohl auch ein Grund für die große Attraktivität des Angebots: Dank der Förderung durch das Programm „Ideen für mehr! Ganztägig lernen“ sind die Seminare für die Schulen und für die teilnehmenden Schülerinnen und Schüler kostenlos. Die Partizipationsbeauftragte begleitet den Beratungsprozesse mit der Schule, ist teilweise bei den Seminaren mit dabei und unterstützt vor allem die SV-Beraterinnen und –Berater in der Vor- und Nachbereitung.

Da gibt es viel zu tun: „Es gibt bei den Seminaren zwar feste Themen wie Projektplanung oder Organisation der Schülervertretung. Wie ein Seminar aber konkret ausschaut, bespreche ich immer mit der Schule – abhängig davon, was konkret gebraucht wird“, erklärt die Mitarbeiterin der Serviceagentur. Für jedes Seminar einen neuen Ablaufplan – dies mache zwar mehr Arbeit, lohne sich aber, da die Seminare dadurch besser würden. Dies zeige sich auch an der Rückmeldung durch die Schulen, bei denen die Seminare auf sehr positive Resonanz stoßen.

Darüber hinaus ist Horn auch noch für weitere Veranstaltungen der Serviceagentur verantwortlich: Aktuell steht ein Fachtag „Beteteiligung an Qualitätsprozessen in der Ganztagsschule“ für Schülerinnen und Schüler an.

Nach dem Abitur möchte sie Berufsschullehrerin werden. Die langjährige Erfahrung als Schülervertreterin und Schülerfortbildnerin komme ihr dabei zu Gute. So lange das Studium es zulässt, möchte sie der Serviceagentur erhalten bleiben und Schülerbeteiligung an den hessischen Ganzstagsschulen stärken. „Schule kann nicht funktionieren ohne die Beteiligung aller Akteursgruppen“, so die 21-jährige Jahrgang 1987. In der Ganztagsschule verbrächten Lernende und Lehrende immerhin die meiste Zeit des Tages, da sollten Schülerinnen und Schüler mitreden dürfen, wie sie lernen und wie sie zusammen leben möchten. In der Serviceagentur „ganztägig lernen“ Hessen stößt Horn damit auf offene Ohren.

Als gutes Beispiel im Verbund der Serviceagenturen im Programm „Ideen für mehr! Ganztägig lernen.“ praktizieren die hessischen Kolleginnen und Kollegen schon seit Beginn ihrer Arbeit die alltägliche Zusammenarbeit mit Schülerinnen und Schülern wie die Partizipationsbeauftragte weiß – und das mit Erfolg. „Es ist eben etwas anderes, etwa bei der Erarbeitung eines Jahresprogrammes oder bei der Planung von Veranstaltungen über Schülerinnen und Schüler zu sprechen oder eine Schülerin von Anfang an mit ein zu binden“, sagt Horn. Den Job als Partizipationsbeauftragte findet sie deswegen klasse: „Ganztagsschule ist ein gutes Konzept, um junge Menschen besser individuell zu fördern und um gerade Leute, die nicht sehr privilegiert sind, zu unterstützen. Aber dafür muss sie mehr sein als Mittagessen und Spaßprogramm am Nachmittag.“ Dass sie in der Serviceagentur an der Gestaltung von Ganztagsschulen mitwirken darf, empfindet sie als sehr große Chance.

Konkrete Vorschläge, wie Ganztagsschule aussehen sollte, hat sie auch: Rythmisierung (Wechsel von Anspannungs- und Entspannungsphasen), Vormittag und Nachmittag sollen besser verzahnt werden, das Schulleben soll gemeinsam evaluiert  und eine Feedback-Kultur geschaffen. „Wenn Ganztagsschule ein Ort ist, an dem sich Schülerinnen und Schüler genauso wie Lehrerinnen und Lehrer gerne den ganzen Tag aufhalten, dann ist das ein Superkonzept“, so die Abiturientin. Bis es aber soweit ist, müssen Horn und ihre Kolleginnen und Kollegen noch Unterstützungsarbeit leisten – nicht nur bei den Kollegien, sondern auch unter den Schülerinnen und Schülern: „Viele Schulen sind durch die Schulzeitverkürzung zur Ganztagsschule geworden, nur mit Verlängerung des Unterrichts. Viele meiner Mitschülerinnen  und Mitschüler stehen Ganztagsschule deshalb sehr skeptisch gegenüber“, weiß Horn. Sie findet es aber wichtig, sie vom Konzept zu überzeugen und zu animieren, ihre Schule mit zu gestalten.


Autorin: Britta Erlemann
Foto: Ursula Eckel
Datum: 29.06.2009
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