Fortbildung „Lernzeiten und Co. – Alternativen zu Hausaufgaben an der Ganztagsschule“

TeaserbildEin Bericht von Katharina Brückner

Für Lernzeiten gibt es kein Patentrezept. Gleichzeitig ist die Frage „Hausaufgaben ja oder nein?“ ein Dauerbrenner an vielen Schulen in Hessen. Für seine Schulen im Pakt für den Nachmittag organisierte das Staatliche Schulamt Gießen deshalb zusammen mit der Serviceagentur „Ganztägig lernen“ Hessen am 12. Mai 2016 eine ganztägige Fortbildung, die eine erste Orientierung bieten sollte. Im Fokus standen drei Schulbeispiele aus der Region, die sehr unterschiedliche Alternativen zu Hausaufgaben entwickelt haben und bei der Fortbildung in drei Gesprächsrunden Rede und Antwort standen: die Wilhelm-Leuschner-Schule in Heuchelheim, die Dieffenbachschule in Schlitz und die Schule am Diebsturm in Grünberg.

Die längste Erfahrung hat die Wilhelm-Leuschner-Schule, die vor vier Jahren mit drei Stunden Lernzeit für alle Schülerinnen und Schüler begonnen hat. Im bundesweiten Netzwerk Ganztagsschule des Programms „Ideen für mehr! Ganztägig lernen“ entwickelte die Schule ihr Konzept weiter. Die Lernzeiten wurden schrittweise und flexibel in den Unterricht integriert, um die Lernkultur an sich zu verändern. Die Grundlage bilden Lernpläne, die eine oder mehrere Wochen umspannen können. Rückmeldebögen und Lernzeithefte ermöglichen die Kommunikation mit dem Kind und den Eltern. Das Ziel ist es, das die Schülerinnen und Schüler Verantwortung für ihr eigenes Arbeiten übernehmen.

Die Dieffenbachschule ist seit 2014/15 eine Schule mit Nachmittagsangebot im hessischen Landesprogramm und erarbeitete mit den Eltern und dem Kollegium ein gemeinsames Konzept zur Durchführung der Lernzeiten. Das Ergebnis dieser Arbeit ist ein sehr flexibles System, bei dem der Schwerpunkt auf der Qualität der Lernzeiten liegt. Diese werden in Kleinstgruppen durchgeführt, die ausschließlich von Lehrkräften angeleitet werden. Die Eltern können Art und Umfang der Aufgaben mitbestimmen. Verbindliche Anforderungen und Regeln für alle Beteiligten erleichtern die Zusammenarbeit. Ein Lernzeitheft hilft bei der Kommunikation zwischen Schülerinnen und Schülern, Lehrkräften, Lernzeitlehrkräften und Eltern.

Auch in der Schule am Diebsturm werden die sogenannten „Schulaufgabengruppen“ (feste Gruppen zu festgelegten Zeiten in festgelegten Räumen) von Lehrkräften betreut zusammen mit einer pädagogischen Fachkraft. In den Schulaufgabenzeiten sollen die traditionellen Hausaufgaben zugunsten des selbstständigen Übens und Wiederholens nach und nach verringert werden. Auf dem Weg dorthin liegt der Fokus auf der Differenzierung, der Reflexion und Feedbackkultur sowie der Abstimmung im Kollegium. Der Prozess wird – wie viele Schulentwicklungsprojekte – noch einige Zeit in Anspruch nehmen, soll aber mit professioneller Begleitung fortgeführt werden. Ein selbst entworfener Schulplaner unterstützt schon jetzt die Absprachen zwischen allen Beteiligten und wird für wertvoll erachtet.

Abgerundet wurde das Programm durch den Vortrag von Hans-Jürg Liebert, einem selbständigen Schulentwicklungsberater, der in das Thema Lernzeiten einführte. Er forderte die rund 40 Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf, zuerst über die Aufgabenkultur an ihrer Schule und die eigene Einstellung zu Aufgaben nachzudenken. Die vier Lernzeiten-Varianten, die er vorstellte, wurden von den Zuhörerinnen und Zuhörern sehr angeregt diskutiert. Die Diskussionen setzten sich anschließend in den Gesprächsrunden mit den Beispielschulen aus der Region fort. Am Ende stand die Herausforderung, die vielen Anregungen und Informationen des Tages mit an die eigene Schule zu nehmen und dort Alternativen zu Hausaufgaben zu finden.


Autorin: Katharina Brückner, Serviceagentur „Ganztägig lernen“ Hessen
Foto: Katharina Brückner
Datum: 16.06.2016

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